Nisan 3, 2007

Städtisches Leben

Nisan 3 2007Yorum Yok Kategori: EN

Gutachten zu: Nevval Sevindi Kent ve Kültür – Städtisches Leben und kultureller Wandel. Istanbul (Alfa Yayınları) 2003. 312 S. Mit dem Blick einer Großstädterin, die in Izmir aufgewachsen ist und nicht nur das kosmopolitische Flair Istanbuls, sondern auch die Atmosphäre vieler Metropolen der Welt kennt, lässt sich Nevval Sevindi als Anthropologin in Skizzen, Glossen und Statements – auf vier Kapitel verteilt – auf den kulturellen Wandel seit den 1990er Jahren ein, sei es in den großen Städten der Türkei, sei es auf dem Land, zum Beispiel in Zentralanatolien oder an Touristenorten wie Pamukkale – oder beispielsweise in London, St. Petersburg oder Buenos Aires. Im feuilletonistischen Plauderton beschreibt sie freundlich, dabei meist recht kritisch und distanziert, oft auch mit genauen Statistiken belegt, was sie beobachtet – und hat vielfach den Mut, den Finger auf wunde Stellen zu legen, z.B. wenn es um soziale und kulturelle Aktivitäten geht. Sie macht aus ihrem Schock keinen Hehl, wenn sie die Zahlen einer Gallup-Umfrage aus dem Jahr 1997 betrachtet: Demnach gingen über 90 Prozent aller Türken und Türkinnen nie in die Oper, und über 40 Prozent aller Befragten gaben zu, nie ein Buch zu lesen. Höchst pointiert formuliert sie ihre Kommentare: „Da bleibt die Frage unbeantwortet, wofür sich diese Nation denn nun interessiert! Ich überlasse es den geneigten Leserinnen und Lesern, dies herauszufinden …“ In ihrer Kritik gegenüber dem eigenen Land geht Nevval Sevindi allerdings weit über eine kritische Bestandsaufnahme hinaus, nicht nur, indem sie behutsam Vergleiche zu großen Städten Europas oder u.a. Lateinamerikas zieht, sondern auch dadurch, dass sie, recht vorsichtig, unaufdringlich, an die Türkei und die Türken appelliert, den Zug der Globalisierung nicht zu verpassen. Dies allerdings sollte sich nicht darin erschöpfen, immer mehr in High Tech zu investieren oder beispielsweise Leistungen im Sport oder der Handy- und TV-Produktion zu steigern, sondern sie appelliert – glücklicherweise nie direkt, sondern auf geduldige, ansprechende, Weise, oft auch in einem ironischen Unterton, manches Mal mit Biss, an ihr Lesepublikum, sich auf echte Werte zu besinnen, die in der kulturellen Tradition des Landes – und nicht nur darin – liegen, sondern auch in der Bereitschaft zum Blick auf die rasante Entwicklung der Welt im Allgemeinen. Sie ruft nun keineswegs zu einem spektakulären Konkurrieren mit aktuellen Strömungen auf, sondern hat – und dies ist zwischen den Zeilen zu lesen –, ein Konzept in der Hinterhand, nach dem sich die landeseigenen spirituellen Werte, auch Normen, mit den globalen Errungenschaften der Hochkultur, hier vor allem in der Architektur und den schönen Künsten, so vereinbaren ließen, dass das Eine das Andere nicht ausschließt und dazu beiträgt, dass die Türkei dem allgemeinen Trend nicht hinterherhinken muss. Manches erinnert an eine Klage von Aziz Nesin, zwei Jahre vor seinem Tod, 1993, als der Altmeister der Satire sich bitterlich darüber beschwerte, die türkische Kultur erschöpfe sich darin, einen eigenen Kühlschrank zu präsentieren. Nevval Sevindi beklagt, ähnlich wie er, jedoch auf eine höchst konziliante Weise, ein Defizit weiter Kreise der Bevölkerung, ein Informationsdefizit, ob es nun um die eigene Kultur oder die Kulturen der Welt geht. Ihre These lautet, dass ein türkisches Selbstbewusstsein im Austausch mit der Welt nur dann Stabilität habe und allseits anerkannt werde, wenn man oder frau sich generell auf die eigenen Werte, auf die eigene Spiritualität besinne, auf die eigene Tradition – und daraus schöpfe, aber dadurch auch den Weg zur Avantgarde finde, in Fragen der Alltagskultur wie der Hochkultur. Sie plädiert keineswegs für eine geschlossene Gesellschaft, sondern deutlich für eine Öffnung hin zur Moderne, wenn nicht Postmoderne, dies aber sei nur möglich, wenn niemand sich Neuerungen verschließe. Der Anschluss an die Kulturen der Welt allerdings könne nur dann gelingen, wenn sich – auch im Kleinen, auch in Städten wie Konya oder im Südosten der Türkei – in den Köpfen der Mehrheit manches ändere. Monika Carbe Dezember 2006

in german

Nisan 3 2007Yorum Yok Kategori: EN

Liebe ist die Hälfte der Vernunft Wenn man auf dem Militärflughafen von Konya landet und in einen der städtischen Busse steigt, wird einem seltsam zu Mute. Konya bietet uns ein historisches Stadtbild mit breiten Straßen und viel Grün. Die Reklametafeln an den Mauern lassen uns Lokalpatriotismus ahnen, kommt doch die „Seele von Konya“ im authentischen Gewand seiner Einwohner mit Begriffen wie Kongar, Kombassan und Kontur daher. Wie ein Symbol der Widersprüche wirkt die kalte Eisentür, die uns statt des prachtvollen Holztors am Karatay-Museum ein bisschen hämisch, wie ein wackliger Zahn, angrinst. Dennoch hat es den Anschein, als würde das Geheimnis der Stalaktiten in seiner Schönheit, als würden die ausdrucksvollen Worte in arabischen Schriftzeichen uns bis auf den heutigen Tag gute Ratschläge geben wollen. Schriftzüge, die wegen der arabischen Zeichen allgemein für heilig gehalten werden, Destillationen des Lebens, die man beherzigen sollte: „Zuverlässigkeit ist Reichtum“, „Trennung ist Qual“, „Krieg ist Täuschung“, „Das Schicksal ist die Hälfte des Alterns“, „Liebe ist die Hälfte der Vernunft“, „Fragen ist die Hälfte des Lernens“, „Glaube ist guter Rat“, „Launenhaftigkeit ist Quälerei“ – überall finden sich solche Sprüche.

Wir blicken durch die offene Kuppel zum Himmel. Und sehen dann unten gleich das Wasserbecken. Eine mongolische Tradition. Das Becken war mit Wasser gefüllt, und die Menschen befassten sich im Widerschein der Sterne, die nachts durch die Kuppel schienen, mit Astronomie; ihre Berechnungen der Sterne werden heute noch für fehlerlos gehalten. Die Ornamente der türkisfarbenen Fayencen und der Kufi-Inschriften in den Nischen und über den Türen wirken wie Anfang und Ende runder Formen, verbunden mit Sternbildern. Kubadabad, bekannt als selçukisches Serail, aus Lehm erbaut, am Beyşehir-See, ist ein Sommerpalast. Auf der einzigen, von der Sultansresidenz aus dem 13. Jahrhundert übriggebliebenen Mauer hat man – zum Schutz – eine potthässliche Brunnenanlage aus Beton errichtet. Das sieht schrecklich aus, und dadurch ist die Palastruine verschandelt worden. Verschmitzt lächelt das Serail über diesen primitiven Bau. Auf vielen Fayencen im Museum erkenne ich, wie deutlich die Selçuken den Motiven des Kreuzes und des menschlichen Gesichts Ausdruck verliehen haben. Alles Byzantinische wurde imitiert; daher wurden unglaublich viele Säulen in den Moscheen aufgestellt. Die Selçuken bilden die islamische Auffassung vom menschlichen Gesicht ab, zeichnen mythologische Wesen mit menschlichen Zügen oder als Relief. Als schönstes Beispiel der selçukischen Kunst heißt uns das Tor der İnce Minare Medrese, der Hochschule aus dem 13. Jahrhundert, mit seinem Artischockenornament willkommen. Dieses Portal weist mit seinen verschlungenen Formen in die Höhe und hat Zeltcharakter. Das Minarett mit seinen beiden Umgängen ist mit türkisfarbenen Keramikfliesen verziert. 1901 schlug dort der Blitz ein, und dadurch ist das Minarett, das sehr hoch war, zur Hälfte eingestürzt. Von dort aus betrachtet es Konya. Ziegelmauern, ornamentierte Decken, Leoparden, Hirsche und Pfauen sind die Merkmale der selçukischen Kunst. Zwei Engelreliefs, die vom Tor der selçukischen Festung hierher gebracht wurden, wirken schön, wirken ästhetisch. Das von den Hethitern übernommene Löwensymbol setzt sich bei den Selçuken fort. Auch der doppelköpfige Adler folgte der hethitischen Göttin Hepatu und wurde selçukisch. Überall begegnet uns der Kult um Göttinnen, angefangen von der Muttergöttin Kybele. Mit einem Lächeln zeigen die Motive der Weltkugeln an den Portalen unserer Zeit die Astronomiekenntnisse der Selçuken. Im Museum des Mevlana, in seinem Grabmal drängen sich die Touristen. Wir betreten es durch das Tor, an dem ausländische Männer in Shorts Röcke überziehen und hineingehen. Frauen beten vor den Sarkophagen des Mevlana und seines Vaters, küssen den gläsernen Schaukasten und beten. In seiner Großherzigkeit heißt der Mevlana die Gäste willkommen. Die Alaeddin-Keykubat-Moschee wurde im Jahr 1155 errichtet, eine der ältesten Moscheen des 12. Jahrhunderts. Sie hat 42 Säulen mit korinthischen und ionischen Kapitellen. Wie viele römische und griechische Säulen es auch sein mögen, sie wurden alle beim Bau der Moschee aufgestellt. Und das Innere der Moschee – auf einem Niveau, das einen Preis für schlechte Restauration verdient hätte – ist von einem Ende bis zum anderen mit einem einfachen Teppichboden bedeckt, und das zeigt, was die Muslime unter dem 800-jährigen Erbe verstehen. Dank einer Form der Restauration, die allen ästhetischen Gesetzen und der Geschichte spottet, ist die Moschee in einem bedauernswerten Zustand. Die grünen Eisenregale, auf denen man drinnen die Schuhe abstellt, und die schlechten Ledervorhänge an den Türen lassen einem jede Freude an der Andacht vergehen. Währenddessen erfahre ich, dass eine der ältesten Moscheen (in Kappadokien) die Form eines Glockenturms hat, und dass es Glocken sind, die nie geläutet werden. In späterer Zeit hat man begonnen, ein Minarett neben der „Glocken-Moschee“ zu bauen, und schließlich ist das Minarett das einzige, das – hier – von den Osmanen geblieben ist. Und jetzt hat man schreckliche Minarette in Form von Raketen entdeckt. Da man überall Moscheen gebaut hat, gibt es Moscheen im Abstand von zehn Metern. Daher ist es in dieser Touristenstadt unmöglich, alkoholische Getränke zu bekommen. Denn Lokalen in einer Entfernung von dreihundert Metern zu Gebäuden wie Moscheen und Medresen wird laut Gesetz keine Lizenz zum Ausschank von Alkohol erteilt. Diese Frage wird durch den Bau neuer Moscheen gelöst. Um Alkohol zu bekommen, muss man bis Meram fahren, einen etwa acht Kilometer entfernten kleinen Ort. Dennoch erreichen Sie nicht, was Sie wollen, denn in dem anheimelnden Teegarten herrscht Alkoholverbot. Der Chauffeur meint, dass die Leute nichts vom Trinken verstehen und ihre Umgebung stören, und daher sei Alkohol verboten, damit man mit der Familie zusammensitzen könne. Es ist doch ganz natürlich, dass sie nichts vom Alkoholtrinken verstehen, denn es sind Leute, die einer Kultur fern stehen, die sie gar nicht kennen. Ich wollte wissen, was für Unterhaltungsmöglichkeiten es in Konya gibt. Gibt es Vergnügungsstätten, Orte, an denen junge Leute ihre Freizeit verbringen können? Drei Stellen konnte ich ausmachen, das Lokal, das eine Dame im Souterrain des Hotels Eşref betreibt – „Bei Sabriye“ –, die Diskothek sowie die Bar des Hotels Huma und die Nezih-Bar. Die Hoşseda Bar, ein Bierlokal am Busbahnhof, soll ein Lokal mit Alkoholausschank sein, das nur Männern zugänglich ist. Ich ging in die Oper, den einzigen Ort, an dem man von Qualität sprechen kann, um Live-Musik zu hören. Ein Mann und ein junges Mädchen, eine Gesangsstudentin, singen. Die jungen Leute wirken ziemlich ruhig. Junge Frauen und Männer sitzen zusammen. Ich frage junge Leute, die Kommunikationswissenschaft studieren: „Wie verbringen junge Leute ihre Freizeit in Konya? Was für Unterhaltungsmöglichkeiten gibt es?“ Die Antwort des jungen Manns ist kritisch: „Junge Leute haben keinerlei Freizeitvergnügen in Konya. Wer hier studiert, flieht aus Konya, sobald sich die Gelegenheit ergibt, und geht aufs Land, um sich zu vergnügen. Hier gibt es nur ein Kino und außerdem das Staatstheater. Zuletzt wurde ein Stück von Haldun Taner aufgeführt.“ Eine dunkelhaarige Studentin, die Theaterwissenschaft studiert, meint: „Es gibt aber auch Studenten, die so etwas mögen.“ Es wurde nicht zugelassen, dass ein neues Lokal mit Alkoholausschank eröffnet wurde. Vor zwei Jahren wurden in der Azel-Bar, die dem Rathaus gegenüberliegt, mehrmals Bomben gelegt und danach wurde die Bar geschlossen. Unser Kampf um den Alkohol, über den in holländischen Zeitschriften berichtet wurde! Was die Jugendlichen und ein paar Leute aus Konya erzählen, zeigt, dass das Vergnügen systematisch zunichte gemacht wird. Um sich zu vergnügen, ziehen Leute, die es sich leisten können, weg von Konya, in andere Städte. Ich gehe ins Hotel Şahin, und auch dort machen drei junge Leute Live-Musik. Drinnen ist alles von Zigarettenrauch vernebelt. Hier wird getanzt. Obwohl in dem riesigen Saal voller junger Leute eine heitere, angenehme Stimmung herrscht, hat man doch ein Gefühl von Bedrückung. Doch die Städte in Anatolien haben kein Stadtleben. Es gibt keine Stadtluft. Man kann nur essen, trinken und nach Hause gehen. Viele Städte in Anatolien kennen weder Kino und Theater noch Konzerte. Das soziale und kulturelle Leben wird vom politischen Fanatismus erstickt.

Sigara

Nisan 3 2007Yorum Yok Kategori: Zaman

21. yüzyılda 1 milyar insan sigaradan ölecek
1-7 Nisan, Kanser Haftası olarak kutlanmakta. Sağlık Bakanı Recep Akdağ’ın açılış yaptığı Ulusal Kanser Haftası bu sene önemli konukları ağırladı. Amerika Ulusal Kanser Enstitüsü Başkanı Joe Harford ve Uluslararası Kanser Araştırma Ajansı Başkanı Peter Boyle.
 

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